Die einzelnen Phasen der demenziellen Erkrankung, meine Mutter selbst, das Leben und ihre Lebensfreude  - haben mich viel lernen lassen. Letztendlich habe ich den Alltag meiner Mutter gestaltet, Alltagshilfen organisiert, die täglichen Fähigkeiten beobachtet,  mein eigenes Verhalten regelmäßig reflektiert um auf Veränderungen leichter reagieren zu können und um sie besser  unterstützen und fördern zu können. 

Die Anforderungen und die Verantwortung die ich übernahm wuchsen stetig. Aber das ist normal bei dieser Krankheit.   Mein Respekt vor pflegenden Ehepartnern gleichen Alters wie der Erkrankte ist hoch. Welche Kraft muss es kosten,  sich um den erkrankten Partner ganz alleine zu kümmern - den man ja trotzdem nicht missen möchte?
 
 Aber auch die Auseinandersetzung mit dem Tod und  mit dem eigenen "Älter werden" führten mich zu der Frage, was wird eigentlich aus mir, wenn ich wirklich alt bin und womöglich selbst an Demenz erkranke? Wie will ich dann leben?  Wie will ich behandelt werden?  Wie will ich gepflegt werden - und von wem? 
 
 Da ich aus dem pädagogischen Kontext komme verstehe ich den Ansatz von Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“ (und tu alles, um dies zu ermöglichen) bei der eigenen Arbeit als Leitsatz - und nicht anders möchte ich, dass man mit mir umgeht. 

 Meine Mutter und viele andere Senioren mit einer Demenzerkrankung die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte, fühlen sich ganz besonders in einer Gemeinschaft wohl, haben besonderes Interesse an schönen Erlebnissen und gemeinsamen Singen, Bewegen und Essen. Meine Mutter kommt aus einer Familie mit vier Kindern und ist in einem Geschäftshaus groß geworden. Sie liebt die Geselligkeit.