Zu meiner Person

Name: Annette Dietrich
Alter: 53 Jahre, Beruf(e): Diplom-Sozialpädagogin,  Diplom-Heilpädagogin und Kunsttherapeutin (Richter/Wichelhaus, Universität Köln), pflegende Angehörige einer an Demenz erkrankten Mutter.

Geboren in Meckenheim (bei Bonn), studiert in Köln, gelebt in Heimerzheim, Euskirchen, Köln und Frechen, gearbeitet in Rheinbach (Heim), Euskirchen (Gehörlosenschule), Weilerswist (Kinderarztpraxis), Düren (Ausbildungsbegleitende Hilfen) und Köln, die letzten 17 Jahre als Lehrerin, zuerst am Katholischen Berufskolleg des Johann-Michael-Sailer Institutes, dann am Erzbischöflichen Berufskolleg, überwiegend im Ausbildungsbereich, wohnhaft aktuell in Mechernich.


Hobbys: Da gibt es soviel, was ich gerne mache und was mich interessiert, derzeit hat die Pflege Vorrang. 

Mich hat das Thema Demenz seit Jahren begleitet (ob in der Ausbildung von Heilerziehungspfleger/innen oder im privaten Bereich) und immer intensiver  geleitet. 

Die Fragestellungen: Wie kann ich moderne Technik als Hilfen in den Alltag einbinden? Wie können Räume gestaltet werden, um das Leben für den an Demenz erkrankten Menschen länger selbstständig  bewältigen zu können? In welcher Phase dieser Krankheit ist was möglich… ?   beschäftigten mich immer brennender: Alles, was meine Mutter konnte, sollte sie auch so lange wie irgend möglich (manchmal nur durch kleine Veränderungen in den eigenen vier Wänden) alleine machen können.

Letztendlich habe ich den Alltag meiner Mutter gestaltet, Alltagshilfen organisiert, die täglichen Fähigkeiten beobachtet,  mein eigenes Verhalten regelmäßig reflektiert um auf Veränderungen leichter reagieren zu können und sie besser  unterstützen und fördern zu können. 

(https://www.deutsche-alzheimer.de/angehoerige/technische-hilfen.html)

Die Anforderungen und die Verantwortung die ich übernahm wuchsen stetig. Aber das ist normal bei dieser Krankheit.   Mein Respekt vor pflegenden Ehepartnern gleichen Alters wie der Erkrankte, ist hoch. Welche Kraft muss es diese kosten,  sich um den erkrankten Partner ganz alleine zu kümmern - den man ja trotzdem nicht missen möchte?
 
 Aber auch die Auseinandersetzung mit dem Tod und  mit dem eigenen "Älter werden" führt mich zu der Frage, was wird eigentlich aus mir, wenn ich wirklich alt bin und womöglich selbst an Demenz erkranke? Wie will ich dann leben?  Wie will ich behandelt werden?  Wie will ich gepflegt werden - und von wem? 
 
 Mit diesen Fragen sollte sich jeder einmal auseinander setzen. Da ich aus dem pädagogischen Kontext komme verstehe ich den Ansatz von Maria Montessori „Hilf mir, es selbst zu tun“ (und tu alles, um dies zu ermöglichen) bei der eigenen Arbeit als Leitsatz - und nicht anders möchte ich, dass man mit mir umgeht. 

 Meine Mutter und viele andere Senioren mit einer Demenzerkrankung die ich in den letzten Jahren kennen lernen durfte fühlen sich ganz besonders in einer Gemeinschaft wohl, haben besonderes Interesse an schönen Erlebnissen und gemeinsamen Singen und Essen. 

 Auch der alte Mensch (und das wird jeder von uns einmal selber sein!) hat ein Recht auf eigene Entscheidungen, auf Integrität, auf Achtung und Achtsamkeit, Freude, Empathie und Echtheit …. 
 
WIR  haben Verpflichtungen. WIR tragen Verantwortung. 
Und das ist nicht anders nur weil Du an Demenz erkrankt bist. 
 
 Wir müssen uns einlassen auf ein neues Leben unserer Angehörigen/geliebten Menschen, während wir das Wissen um das vergangene Leben langsam verabschieden. 

"Musik ist ein Weg zum Herzen 

von Purple Schulz

Purple Schulz

 Das Thema Demenz ist in unserer Gesellschaft von so zentraler Bedeutung, dass wir, wenn wir nicht schleunigst handeln, auf eine demographische Katastrophe zusteuern. Ich sehe es immer nach meinen Konzerten und den Reaktionen auf mein Lied und Video „Fragezeichen“: Es gibt so gut wie keine Familie mehr, die nicht mit diesem Thema zu tun hat. Es geht uns alle an, weil wir alle irgendwann und irgendwie davon betroffen sein werden.
Schaffen wir endlich gesellschaftliche Bedingungen, die es erlauben, den Erkrankten mit Liebe und Geduld zu begegnen, und die pflegenden Angehörigen nicht alleine verzweifeln zu lassen.

Was ich mir wünsche

Sollte ich tatsächlich eines Tages an einer Demenz erkranken, wünsche ich mir von meiner Familie vor allem Liebe. Denn nur die Liebe ermöglicht es ihr, mich auch dann zu ertragen, wenn ich mal unerträglich sein sollte. Sollte ich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen irgendwann mit einer Tube Zahnpasta in der Hand auf einer Kreuzung stehen, wünsche ich mir Mitmenschen, die nicht kopfschüttelnd an mir vorbeigehen, sondern mich an der Hand nehmen und nach Hause bringen.
Ich möchte immer noch Anteil am Leben haben. Man sollte mir darum den Zugang zur Musik ermöglichen, denn die Musik ist ein Weg zum Herzen, der auch mit einer Demenz immer begehbar ist. Und lasst Kinder, Hunde und Katzen zu mir kommen. Mit denen klappt die Kommunikation meist besser als mit Erwachsenen.

Purple Schulz ist Musiker. Seinen Song „Fragezeichen“, in dem er Erfahrungen mit seinem demenziell erkrankten Vater verarbeitet, hat er beim 7. Kongress der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 2012 in Hanau vorgetragen und seitdem bei vielen anderen Veranstaltungen zu Demenz und Pflege."